Elfriede Blum
Elfriede Blum, genannt „Ellen“, wird am 1. September 1914 in Pforzheim geboren.
Sie wohnt mit ihrer Familie zuletzt in der Bertholdstraße 4.
Ellen besucht – wie auch ihre Schwestern Lieselotte und Ruth – die Hildaschule in den 1920er Jahren. Ihr Vater Leopold ist Inhaber des Konfektionshauses „Globus“ in der Leopoldstraße 4.
Wie viele andere jüdische Familien ist auch die Familie Blum von den antisemitischen Maßnahmen betroffen. Ihre Schwester Ruth flüchtet bereits 1936 mit ihrem Ehemann Leo und der 1935 geborenen Tochter Gretel. Nachdem Ruths Ehemann die Aufforderung bekommen hatte, mit allen Familiendokumenten am nächsten Tag bei der Gestapo zu erscheinen, ergreifen sie über Nacht die Flucht. Gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Lieselotte und deren Ehemann Herbert gelangen sie per Zug nach Basel und letztendlich nach Argentinien, wo sie als „heimatlos“ ankommen.
Ellens Schwestern setzen nun alles daran, den Eltern Leopold und Lina und ihr ebenso die Flucht zu ermöglichen. Ellen gelangt am 26. Januar 1938 mit dem Schiff „Monte Pascoale“ nach Argentinien.
Nach der Pogromnacht im November 1938 wird ihr Vater für 18 Tage in das Konzentrationslager Dachau verschleppt. Sein Geschäft muss er im August 1939 aufgeben. Leopold und Lina können 1940 mit dem Dampfer „Oceania“ von Genua aus das Land Richtung Buenos Aires verlassen.
Für die ganze Familie ist der Neuanfang sehr schwer. Sie versuchen sich ein neues Leben aufzubauen. Ellen arbeitet zunächst bei einer wohlhabenden argentinischen Familie und betreut ihre Kinder. Danach ist sie als Buchhalterin in einer Firma angestellt. Ellen gründet mit ihrem Mann Rudolf eine Familie. Sie bekommen zwei Töchter – Vivian Leonor und Marcela Dorotea.
1986 besucht sie gemeinsam mit ihrer Schwester Ruth ihre alte Heimatstadt Pforzheim und trifft dabei Bekannte aus der Zeit vor der Flucht.
Ellen lebt bis zu ihrem Tod am 1. Juli 1988 in Buenos Aires. Ihr Mann Rudolf verstirbt am 13. Oktober 1986. Ihre sechs Enkel leben heute in Argentinien.
